>> Vorsicht! Sehr langer Post. Aber da stecken ja auch 8 1/2 Wochen Gefühle drin ;) <<
Wie fühlt man sich dabei, wenn man 8 1/2 Wochen nur Briefe schreiben (und erhalten) kann und vl einmal die Woche ein paar wenige Minuten telefonieren darf..?
Egal wie sehr man sich geistig, moralisch, seelisch, körperlich und auf was weiß ich was für erdenkliche Art und Weise vorbereitet, nein, es wird nicht so wie man es sich vorgestellt hat .. es wird schlimmer...
Ich bin jetzt seit mehr als zwei Monaten "Strohwitwe".
Mein Freund ist der Air Force beigetreten und musste seinen Dienst vor mehr als zwei Monaten antreten und ich will euch erzählen wie es mir so in den ersten zwei Monaten, während er im Basic Training war, erging.
Verabschiedet haben wir uns am 7. August.. es war ein kurzer Abschied, aber wegen des kurz zuvor eingetretenen Nieselregens irgendwie Filmreif ^^' (hatt ich ja aber im letzten Post schon erzählt).
Man bekommt eine SMS, wenn sein Flieger Richtung Amerika geht und wenn er dort angekommen ist. Dinge wie "Habe Angst..." mag man eigentlich nicht hören. Man fühlt mit, schließlich beginnt der Partner einen neuen Lebensabschnitt mit völlig unbekannten Komponenten.
Dann wird man spät Nachts angerufen und schreibt sich total verschlafen die schnell diktierte Adresse auf über die er dann zu erreichen ist.. und nur über diese Adresse und nur über dieses Art und Weise der Kommunikation.
Diese Adresse hab ich dann gleich per E-Mail an seine Familie weitergeleitet, welche zu dem Zeitpunkt grade leider nicht erreichbar war... naja, wer ist das auch Nachts um halb vier ^^'
Wie oft hätte ich in den 8 1/2 Wochen gerne eine schnelle SMS geschrieben, dass alles gut wird usw. aber selbst das bleibt einem vergönnt und die Briefe kommen etwa eine Woche nachdem man sie abgeschickt hat an. In so einer Woche kann einiges passieren..
Allein die Adressierung war zunächst eine Herausforderung für mich..
AB Last Name, First Name, Middle Initial
### TRS / FLT ### (Dorm "Letter"-#)
1320 Truemper Street Unit 36 ####
Lackland AFB, TX 78236-#### (zip extension)
Und ein 'ausgefülltes' Beispiel:
AB Doe, John R
326 TRS/FLT 620 (Dorm B3)
1320 Truemper Street Unit 361006
Lackland AFB, TX 78236-5570
Bei meiner Version kam dann natürlich noch ein
UNITED STATES OF AMERICA
untendrunter, da ich meine Briefe schließlich von Deutschland aus verschickt habe. Das ist ne verdammt große Adresse für einen so kleinen Briefumschlag.
70 Cent (1,45€ wenns dicker/schwerer wurde) hat ein Brief gekostet und kam auch nur dann 'pünktlich' an, wenn der 'Priority Vermerk' drauf war.
(Seine Mama hat nämlich auch Briefe ohne diesen Vermerk verschickt und die haben ungefähr drei Wochen gebraucht oO blöde Briefeverschickfirma hat ihr gesagt, dass das keinen Unterschied machen würde.. HA! Von wegen -.-')
So hab ich ab glaub ich Ende der ersten Woche angefangen zwei mal die Woche einen Brief an meinen Airman in Basic zu schreiben und zu verschicken.
Der erste Brief war sechs!! Seiten lang.
Ich hab täglich aufgeschrieben was ich so erlebt hab oder auch nicht, dabei aber rausgelassen, dass es mir manchmal mit der Situation echt nicht gut ging. Negatives will ein täglich geknechteter junger Mann (oder junge Frau, je nachdem welches Familienmitglied oder Partner/in sich im Basic Training befindet) echt nicht hören.
Genaueres, auch die doofen Sachen, hab ich in ein extra für ihn angelegtes Dokument im Internet gespeichert (er hat es bis heute noch nicht gelesen, aber das ist nicht schlimm, denn es war auch mehr so ne Sache für mich um alles loszuwerden was einem auf der Seele liegt).
In die Briefe schrieb ich dann auch immer die aktuellen Fußballergebnisse seiner Lieblingsmannschaften und manchmal hab ich auch andres vom aktuellen Geschehen.
Der wichtigste Teil der Briefe (zumindest für mich) war nicht nur das alltägliche Gelaber von mir, sondern die "Motivationskarten" die ich ihm dazu getan habe. Im Internet findet man ja immer so schöne und tolle Sprüche und ich hab diese dann auf leeres Fotopapier geschrieben und manchmal auch was dazugezeichnet.
Sowas kann man sich täglich mal anschauen und es dauert nur kurz, nicht so wie einen ganzen Brief durchzulesen.
Dann kommt der erste Anruf... kleine wenige Minuten in denen man sooo happy ist, dass man die andre Person hört, dass man meinen mag, man vermisst ihn gar nicht ^^'
Zufälligerweise war ich da gerade bei seiner Family, sodass ich eben das Glück hatte auch ein paar Worte mit ihm wechseln zu können. Zwei Minuten.
Er fühlt sich hässlich ... so mit geschorenem Kopf .. er darf nicht viel schlafen.. muss mitten in der Nacht aufstehen zum Sport machen und ist eigentlich ständig beschäftigt. Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, außer in den paar Minuten.. vl auch mal nur Sekunden vom Licht ausmachen bis zum Einschlafen.
Er tat mir sooo leid und ich konnte ihn nicht umarmen, da er tausende Kilometer weit weg ist.
Den zweiten Anruf haben wir verpasst ... ich war gerade 20 Minuten außer Haus, da muss mein Telefon geklingelt haben. Ich war insgesamt gerade mal eine Stunde nicht zuhause. Ich hab mich SOOO geärgert, SOOOO!!!! Da hat man möglicherweise nur ein paar Minuten in der Woche, ihn zu hören und dann verpasst man es.
Das allerschlimmste war, dass er auch seine Familie nicht erreicht hat... seine Mutter kam 10 Minuten nach dem Anruf nach Hause, sein Vater ging 10 Minuten davor einkaufen.
Mein Freund meinte schon, dass niemand mit ihm sprechen möchte..
Glücklicherweise hat er noch einen Freund von sich erreicht und der hat uns dann die neuesten Nachrichten von meinem Sweetheart überbracht, welche ich dann an seine Mom weitergegeben hab.
Dafür habe ich ihm einen Extra-Brief geschrieben, mit ganz viel "Das schaffst du und ich glaub an dich" drinne.
Den dritten Anruf hab ich bekommen, als ich gerade von dem jährlichen Stadtfestival kam. Freunde die mit mir im Bus saßen wussten schon bei der Begrüßung am Telefon, dass es mein Freund sein musste.
Man fand wohl mein "Hi. Hiiiiiiiiiiiiiiiiiii!" echt süß :-P
Auch wenn es jede Woche nur ein paar klitzekleine wenige Minuten war, hab ich mich immer sooo sehr gefreut.
Ganz oft konnten wir uns nicht über Alltägliches oder so unterhalten, weil er noch viel Papierkram machen musste. Ich hab ihm dann die nötigen Informationen besorgt. (Nennt mich google XD) Aber seine Mom hat andre Dinge erzählt bekommen und die durfte ich dann von ihr erfahren.
Am ersten Wochenende alleine, war Sternschnuppen-Zeit. Die hab ich mir dann angeschaut und dabei an ihn gedacht. Hab mir gewünscht, dass er diese bestimmt nicht leichte Zeit gut übersteht. (Und um das vorweg zu nehmen, er hat sie toll überstanden, bin ganz stolz auf ihn!!)
Eigentlich war ich in der Zeit in der er sein Basistraining absolviert hat auch immer gut beschäftigt. Er meinte einmal, dass ich ja viel mehr außer Haus machen würde, seit er weg ist (klang ein wenig traurig) aber es fiel in der Zeit einfach viel an und ich dachte mir, dass ich nicht zuhause versauern will. Also hieß es "RAUS MIT DIR"
Einer der schwersten Dinge, wie ich fand war, dass seine Schwester in seiner Abwesenheit geheiratet hat. Dazu hat ja dann nicht nur die Hochzeit gehört, sondern auch einige Partys dazu - (nur für die Mädels) Bridal Shower, Bachelorette Party, (und für alle) Polterabend, etc. - und er konnte einfach nicht mit dabei sein. Hat davon nur in Telefonaten und Briefen erzählt bekommen. Ich hab ihn da ganz doll vermisst.
Es gab Tage, da war das nicht so schlimm. Dann gab es Tage, da wär ich am liebsten zuhause geblieben und hätte mich in meinem Bett verkrümelt und wäre nicht mehr rausgekommen. Aber, ich musste ja auch Arbeiten und zur Berufsschule gehen. Schlimm ist es, wenn man in der Bahn sitz oder bei andren Leuten oder wie auch immer in der Öffentlichkeit ist und so einen "Scheiße ich vermiss dich"-Schub bekommt. Nicht weinen zu dürfen ist in dem Moment einfach mal verdammt schwer.
Ihr denkt jetzt bestimmt, wer heult denn bitte, nur weil der andre, joa, so tausende Kilometer entfernt ist. Ich sag euch, kommt in diese Situation und ihr werdet mir zustimmen... es geht nicht anders. Vermissen ist hart.. sehr hart.
Ja, so sind die Wochen doch recht schnell vorbeigezogen. Er hatte sich immer mehr mit der Situation, also des Training und dem Ganzen dort, und Mitstreitern angefreundet. Es gab zum Beispiel jemanden, der hat ihm das Schließfach aufgeräumt, damit er mir einen Brief schreiben konnte. Ist doch supernett :)
Oh, nochmal zu den Briefen. Das erste was man in der Zeit macht, wenn man zuhause ankommt ist, seinen Briefkasten zu öffnen in der Hoffnung einen Brief vorzufinden. Man ist schon auf dem Weg von der Bushaltestelle bis zur Haustür und dem dort befindlichen Briefkasten nervös und aufgeregt. Genauso hat es sich mit den erwarteten Anrufen verhalten. Ab Freitagabend hatte ich mein Handy immer auf laut.. nicht nur laut, sonder LAUT und hab ständig draufgeschaut und mein Ladegerät mit mir rumgetragen, falls der Akku schwach werden könnte. Leute, das macht einem verrückt.. genauso wie es klingt ^^'
Er hat von vielen verschiedenen Menschen Briefe gekriegt. Obs von Eltern, Tanten, Onkeln, Freunden oder wem auch immer war. Er hat sich über jeden einzelnen Brief gefreut. JEDEN EINZELNEN!!
Stolz hat er mir jede Woche berichtet, dass er immer noch keinen Anschiss von den MTIs bekommen hatte, das kam erst gegen Ende seines Trainings und dann geballt. Bis dahin hat es ihm aber nichts mehr ausgemacht :)
Um zu wissen, was bei den AB's (Airmen in Basic) so jede Woche anstand, hat mir das Gesichterbuch ganz gut geholfen. Es gibt Seiten über das Training und spezielle Gruppen über die einzelnen Truppen und Flights. Da konnte man sich dann auch mit anderen Daheim gebliebenen über ihre AB's und Erfahrungen unterhalten/austauschen. Dafür ist dieses Soziale Netzwerk doch ganz gut.
Unterstützung in der Zeit brauchte nicht nur mein Mr.DanceWithMe, sondern auch seine liebe Mama. Die vermisst ihren Sohn ja auch ganz dolle und hatte sooo viel mit ihrer Arbeit zu tun und auch einiges an Dingen zur Vorbereitung der Hochzeit ihrer Tochter zu erledigen. Es sollte nämlich die Tante aus Amerika kommen und dort für ne kleine Weile bei denen im Haus sein. Dafür musste das aber erstmal umgeräumt werden usw. und das war ja auch nicht das einzige was erledigt werden musste.
Also war ich wöchentlich auch einmal dort und habe sehr gerne seiner Mutter geholfen, wenn es nötig war - und wenn ich nur To-Do-Listen geschrieben hab ^^
Natürlich war ich auch einfach nur so dort. Weil sie so nett war und mich eingeladen hat, z.B. zum Kürbisfest oder einfach so zum Essen etc. :) Vielen Dank dafür.
In der sechsten Woche hatte er -wie man das so schön nennt- BEAST Week. Hieß, die ganze Mannschaft nach draußen, Zelten und quasi Krieg spielen. Mal zeigen was sie in den Wochen vorher gelernt hatten. In der siebten Woche gabs dann Tests, schriftlich und auch körperlich. Er hat beide Tests übrigens gut bestanden und seinen Sporttest sogar so gut, dass er bei der Abschlussfeier die Fahne einer der Staaten Amerikas tragen durfte.
Irgendwann in diesen Wochen hatte ich mit der Firma Betriebsausflug und der Arbeitskollege hat unheimlich viele Bilder gemacht. Ich hab welche von mir ausgedruckt und ihm geschickt. Er hat sich wirklich drüber gefreut :) Ich hab ja sonst keine neuen Bilder von mir ^^' Bin keine die ständig vorm Spiegel steht und mit dem Handy Bilder von sich selbst macht *hust*
Für mich hieß es in der Zeit endlich ein Kleid für die Hochzeit seiner Schwester finden und Schuhe dazu etc.
Und ich hab unheimlich viele Leute kennengelernt. Es kamen für die Hochzeit einige Leute, Verwandte und Freunde des Brautpaares, aus Amerika.
War für mich besonders anstrengend.. muss ich leider zugeben. Ich bin was neue Leute kennenlernen angeht ein wenig schüchtern und noch schüchterner, wenn diese nur Englisch können. Ich weiß, ich kann das ja, aber ich bin immer sooo unsicher.. Trotz allem war ich immer zum Übersetzen etc. bereit (man muss auch mal über seinen Schatten springen), auch wenns mir ein wenig (oder mehr) schwer fiel.
In der letzten Woche seines Trainings.. weiß ich gar nicht genau was er so gemacht hat. Hier war einfach so viel los, mit Hochzeit und dem ganzen Brimborium darum. Ich glaube im Großen und Ganzen haben sie sich auf ihre Abschlussfeier vorbereitet etc. Soll ja auch gut aussehn, wenn sie bei ihrem Airmans Run an den Menschen vorbeijoggen und wenn sie in Uniform marschieren.
Leider fiel sein Abschlussfeier(wochenende) genau auf die kirchliche Hochzeit seiner Schwester. So konnte von hier niemand daran teilnehmen. Aber eine Freundin seiner Mutter war supernett und ist dort hingegangen, hat ihn nach draußen mitgenommen und ihm ein schönes Wochenende mit ihr und ihrer Familie geschenkt.
Das war auch .. muss ich leider sagen, die schwerste Zeit. So vieles zu tun, an so vielem teilzuhaben.. ohne ihn. Und leider kam mir da auch der erste Gedanke an "Ich kann nicht mehr".. ich wollte das nicht haben, aber sowas keimt einem dann im Gehirn auf. Schrecklich. Einfach schrecklich.
Aber wisst ihr was, ich hab das überwunden *'stolzbin*
Und, ich hatte in der Woche Geburtstag...
Ich hab von ihm ein supertolles Geschenk gekriegt. Einen heimlichen (nicht erlaubten) Geburtstagsanruf.. mitten in der Nacht.. aber ich war sooooooo glücklich :) Das war so toll ^^ Ich war den ganzen Tag zwar müde, aber megahappy :-P
Hab dann an seinem Abschlusswochenende mehr von ihm gehört. Er durfte zeitweise das Handy der Freundin der Mutter nutzen um zu skypen und so (leider hatte das mit dem anrufen nicht funktioniert, aber wir konnten uns so wenigstens schreiben). Das was schön. Auch hab ich das erste Mal Bilder von ihm gesehn. Die Freundin der Mutter hat auf der Seite der Mama Bilder von ihm gepostet, das ganze Wochenende lang. Es war schön ihn endlich mal zu sehen. Und soo schrecklich sieht er jetzt mit ganz kurzen Haaren auch nicht aus :-P
Er hat dann extra zur Hochzeit nochmal angerufen, damit er seiner Schwester und seinem neuen Schwager persönlich gratulieren und sich kurz mit mir unterhalten konnte.
Und da kam dann auch ein "Wir schaffen das schon!" von ihm. Natürlich ist es ihm nicht entgangen, dass es mir nicht gut ging. Diesmal hat er mich unterstützt :) Ich danke ihm dafür.
Montag nach seinem Abschluss des Basic Trainings, ging's für ihn dann von Texas nach Mississippi um dort in die Technische Schule zu gehen. Und dort ist er jetzt, hat sich direkt ein Handy besorgt und wir hören täglich voneinander <3
Das warn meine ersten und besonders harten acht Wochen in meiner Fernbeziehung. Ich hoffe ihr seid während des Lesens nicht eingeschlafen oder habt nur kopfschüttelnd dagesessen. Es ist eine Erfahrung, die so verlaufen ist und bei vielen mindestens genauso verlaufen wird, wenn sie in diese Situation geraten.
Denn wenn einem jemand wichtig ist, dann vermisst man denjenigen sehr.. und leider schmerzlich.
Jetzt ist es wie gesagt ein wenig einfacher, da er in der Schule ist und sowas wie Freizeit hat :) Man kann sich unterhalten und miteinander schreiben. Nur die Zeitverschiebung ist ein wenig doof, ich steh auf, kurz nachdem er ins Bett gegangen ist und er hat "Feierabend" wenn ich ins Bett gehe. Aber man bleibt gerne mal ein wenig länger wach wenn man seinen Allerliebsten hören möchte :)
Nun hoffe ich selbst nochmal, dass ich nichts Wichtiges vergessen habe :)
Ich wünsch euch was.
ganz liebe Grüße
eure Vee!!!

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